Kurz beantwortet
Am meisten Zeit sparen ein fertiger Erwartungshorizont vor dem ersten Heft, Korrekturzeichen statt ausformulierter Randbemerkungen und Rückmeldungen, die sich auf wenige Punkte beschränken. Eine Übersicht der Education Endowment Foundation fand keinen Unterschied in der Wirkung von Kürzeln und ausgeschriebenen Kommentaren, solange die Klasse die Kürzel versteht. Gymnasiallehrkräfte in Niedersachsen korrigierten im Schnitt 6 Stunden und 45 Minuten pro Woche.
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Wie viel Zeit Korrigieren kostet
Die genauesten Zahlen stammen aus Arbeitszeitstudien der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften an der Universität Göttingen, in denen Lehrkräfte ihre Arbeitszeit erfasst haben. Die Werte gelten für eine durchschnittliche Woche einer vollen Stelle, Ferien eingerechnet:
| Studie | Schulform | pro Woche | Anteil an der Arbeitszeit |
|---|---|---|---|
| Niedersachsen 2015/16 | Grundschule | 2 Std. 3 Min. | 4,3 % |
| Niedersachsen 2015/16 | Haupt-, Real- und Oberschule | 3 Std. 1 Min. | 7,1 % |
| Niedersachsen 2015/16 | Gesamtschule | 4 Std. 33 Min. | 9,8 % |
| Niedersachsen 2015/16 | Gymnasium | 6 Std. 45 Min. | 13,6 % |
| Frankfurt 2020 | alle untersuchten Schulformen | 2 Std. 53 Min. | 6,0 % |
| Berlin 2023/24 | alle Schulformen | 4 Std. 11 Min. | 8,3 % |
| Berlin 2023/24 | Gymnasium | 6 Std. 9 Min. | 11,9 % |
| Hamburg 2024 | Stadtteilschule | 3 Std. 36 Min. | 7,5 % |
| Hamburg 2024 | Gymnasium | 5 Std. 33 Min. | 11,1 % |
Durchschnitt über das ganze Jahr je Vollzeitstelle, Ferien eingerechnet. In Wochen mit Klassenarbeiten liegt der Aufwand entsprechend höher.
Die Berliner Studie zeigt auch den Unterschied zwischen Fächern: Lehrkräfte mit zwei Sprachfächern korrigierten 3 Stunden und 46 Minuten pro Woche, Lehrkräfte mit Natur- und Sozialwissenschaften 2 Stunden und 40 Minuten. Für das Abitur in Hessen ergab eine Umfrage der GEW unter 766 Lehrkräften gut 40 zusätzliche Stunden in den drei Wochen der Abiturkorrektur (GEW Hessen).
Wie viel Zeit du hast
Einige Länder geben vor, wie schnell Arbeiten zurückkommen müssen:
| Land | Frist | Vorschrift |
|---|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | drei Wochen für Klassenarbeiten in der Sekundarstufe I, korrigiert, benotet, zurückgegeben und besprochen | VV 6.1.2 zur APO-S I |
| Bayern, Gymnasium | zwei Wochen; drei Wochen für Schulaufgaben in Deutsch ab Jahrgangsstufe 10 und in den Jahrgangsstufen 12 und 13 | § 25 GSO |
| Berlin | keine feste Frist, die Arbeiten sind unverzüglich zu korrigieren | § 19 Sekundarstufe I-Verordnung |
Andere Länder regeln das in eigenen Verordnungen und Erlassen, meist in der Schulordnung oder im Erlass zur Leistungsbewertung.
Wie viele Stunden pro Woche das für deinen Stapel bedeutet, rechnet der Korrekturzeit-Rechner aus.
Was die Forschung zu Rückmeldungen sagt
Eine Meta-Analyse über 435 Studien fand für Feedback im Mittel einen Effekt von d = 0,48, mit großen Unterschieden. Am stärksten wirkte Feedback mit hohem Informationsgehalt (d = 0,99), am schwächsten Belohnung und Bestrafung (d = 0,24) (Wisniewski u. a. 2020). Für die Korrektur heißt das: Nicht die Menge der Anmerkungen zählt, sondern ob die Rückmeldung sagt, was gelungen ist, was fehlt und wie es weitergeht.
Die Education Endowment Foundation hat 2016 die Forschung zum schriftlichen Korrigieren ausgewertet. Ihre Empfehlung an Schulen: weniger Arbeiten korrigieren, diese dafür besser. Kürzel wirken genauso wie ausgeschriebene Kommentare, solange die Klasse weiß, was sie bedeuten, und sie sparen Zeit. Flüchtigkeitsfehler soll die Lehrkraft als falsch markieren, ohne die richtige Lösung dazuzuschreiben (EEF 2016). In ihrem Leitfaden von 2021 hält sie fest, dass Feedback nicht umsonst ist: Viel Zeit fließt hinein, nicht immer produktiv (EEF 2021).
„Schools should mark less in terms of the number of pieces of work marked, but mark better.“
Wenn der Stapel die Note beeinflusst
Noten hängen nicht nur von der Arbeit ab. In einer Replikationsstudie von 2002 streuten die Noten verschiedener Lehrkräfte für denselben Aufsatz über mehrere Notenstufen (Birkel und Birkel). Dazu kommt die Reihenfolge: In einem Experiment mit 336 Lehrkräften wurden gute Arbeiten nach schwachen besser bewertet und schwache nach guten strenger (Spear 1997).
Bei 67.500 Aufsätzen einer Prüfung in China zeigte sich der umgekehrte Effekt: Die Bewertungen glichen sich den vorherigen an. Folgte eine Arbeit auf neun hoch bewertete, bekam sie im Extremfall 1,8 von 20 Punkten mehr, im typischen Fall gut einen halben Punkt (Zhao u. a. 2017). Erfahrene Bewerter waren weniger anfällig. Was dagegen hilft, spart zugleich Zeit: ein Horizont mit Teilpunkten, Ankerbeispiele für die Notenstufen und ein Vergleichsdurchgang am Ende.
Was Zeit spart: vorher, währenddessen, danach
Vor der Korrektur
- Erwartungshorizont mit Teilpunkten fertig haben. Jede Entscheidung, die du vor dem ersten Heft triffst, musst du beim Korrigieren nur noch wiedererkennen. Wie das geht, steht unter Erwartungshorizont erstellen, fertige Vorlagen unter Erwartungshorizont-Vorlagen.
- Notenschlüssel vorher festlegen. Die Punktgrenzen rechnet der Notenschlüssel-Rechner aus.
- Aufgaben so stellen, dass Antworten vergleichbar werden. Klare Operatoren und Teilaufgaben machen Antworten vergleichbar und die Punktvergabe schneller.
- Termine mit der Fachschaft abstimmen. Zwei Stapel in derselben Woche wiegen schwerer als zwei Stapel mit zehn Tagen Abstand.
Während der Korrektur
- Aufgabenweise statt heftweise, wo die Aufgaben es zulassen. Der Maßstab bleibt stabil, weil du ihn nur einmal im Kopf hast.
- Korrekturzeichen mit Legende. Eine feste Liste, die die Klasse kennt, ersetzt ausformulierte Randbemerkungen. Gängige Kürzel stehen unter Korrekturzeichen.
- Selektiv markieren, wo es erlaubt ist. In Übungen und Tests reichen die Fehler, an denen die Klasse gerade arbeitet. In Klassenarbeiten und Klausuren gelten die Vorgaben deines Landes und deiner Fachschaft.
- Flüchtigkeitsfehler nur markieren. Die Verbesserung sucht die Klasse selbst.
- Pausen nach Blöcken. Wer viele Arbeiten am Stück bewertet, gleicht sich leichter an die vorherigen an. Nach einigen Arbeiten kurz unterbrechen und die ersten noch einmal ansehen.
- Lesen und Vorschlagen abgeben. Eine KI-Vorkorrektur liest die Handschrift, gleicht sie mit deinem Horizont ab und schlägt Punkte mit Begründung vor. Prüfen musst du jede Arbeit trotzdem. Wie das abläuft, steht unter Klassenarbeiten mit KI korrigieren.
Nach der Korrektur
- Schlusskommentare aus Bausteinen. Formulierungen für wiederkehrende Stärken und Schwächen einmal sammeln und dann anpassen.
- Typische Fehler in der Besprechung klären. Ein Fehler, den zehn Arbeiten machen, wird einmal in der Stunde erklärt. Im Heft reicht das Kürzel.
- Notenspiegel nicht von Hand. Der Notenspiegel-Rechner zeigt Verteilung und Notenschnitt und liefert eine Zeile für unter die Arbeit.
Häufige Fragen
Wie lange brauchen Lehrkräfte für die Korrektur?
Im Jahresschnitt korrigierten Gymnasiallehrkräfte in Niedersachsen 6 Stunden und 45 Minuten pro Woche, in Berlin 6 Stunden und 9 Minuten und in Hamburg 5 Stunden und 33 Minuten. An Grundschulen in Niedersachsen waren es gut 2 Stunden. Pro Arbeit nennen Lehrkräfte im Forum etwa 30 Minuten für eine Deutscharbeit in Klasse 8.
Muss ich jeden Fehler anstreichen?
In Klassenarbeiten und Klausuren gelten die Vorgaben deines Landes und deiner Fachschaft. Für Übungen empfiehlt die Education Endowment Foundation, selektiv zu markieren, also nur die Fehler, an denen gerade gearbeitet wird.
Wie schnell muss ich Klassenarbeiten zurückgeben?
In NRW innerhalb von drei Wochen in der Sekundarstufe I, am bayerischen Gymnasium in der Regel binnen zwei Wochen. Berlin verlangt, unverzüglich zu korrigieren. Die Frist in deinem Land steht in der Schulordnung oder im Erlass zur Leistungsbewertung.
Spart KI beim Korrigieren wirklich Zeit?
Vor allem beim Lesen und beim Formulieren von Begründungen. Prüfen musst du jede Arbeit trotzdem, und bei schwer lesbarer Schrift oder ungewöhnlichen Lösungen dauert das länger. Wie gut die Vorschläge treffen, zeigen unsere Testreihen.
Quellen
- Mußmann, F.; Riethmüller, M.; Hardwig, T. (2016): Niedersächsische Arbeitszeitstudie Lehrkräfte an öffentlichen Schulen 2015/2016, Ergebnisbericht, Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Universität Göttingen, Tabellen 17, 22, 27 und 32
- Mußmann, F. u. a. (2020): Frankfurter Arbeitszeit- und Arbeitsbelastungsstudie 2020, Endbericht, Tabellen 17 und 22
- Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Universität Göttingen (2025): Arbeitszeit und Arbeitsbelastung der Berliner Lehrkräfte 2023/2024, Tabelle 16
- Mußmann, F.; Hardwig, T.; Riethmüller, M.; Fladung, S. (2025): Hamburger Arbeitszeit- und Arbeitsbelastungsstudie, Gesamtbericht, Tabellen 26 und 27
- GEW Hessen: Korrekturzeit beträgt im Durchschnitt mehr als 40 Stunden pro Lehrkraft, Umfrage zur Abiturkorrektur, 08.06.2022
- NRW: Ausbildungs- und Prüfungsordnung Sekundarstufe I (APO-S I) mit Verwaltungsvorschriften, VV 6.1.2
- Bayern: Gymnasialschulordnung (GSO), § 25 Rückgabe von Leistungsnachweisen, Fassung gültig ab 01.08.2026
- Berlin: Sekundarstufe I-Verordnung, § 19 Lerndiagnose, Lernerfolgskontrollen
- Wisniewski, B.; Zierer, K.; Hattie, J. (2020): The Power of Feedback Revisited: A Meta-Analysis of Educational Feedback Research. Frontiers in Psychology 10, 3087
- Education Endowment Foundation (2016): A Marked Improvement? A review of the evidence on written marking
- Education Endowment Foundation (2021): Teacher Feedback to Improve Pupil Learning, Guidance Report
- Birkel, C.; Birkel, P. (2002): Wie einig sind sich Lehrer bei der Aufsatzbeurteilung? Eine Replikationsstudie zur Untersuchung von Rudolf Weiss. Psychologie in Erziehung und Unterricht 49 (3), S. 219 bis 224
- Spear, M. (1997): The influence of contrast effects upon teachers’ marks. Educational Research 39 (2), S. 229 bis 233
- Zhao, H.; Andersson, B.; Guo, B.; Xin, T. (2017): Sequential Effects in Essay Ratings: Evidence of Assimilation Effects Using Cross-Classified Models. Frontiers in Psychology 8, 933
- lehrerforen.de: Wie lange sitzt ihr an der Korrektur einer Oberstufenarbeit?
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